Was ist Yoga

YOGA ist eine komplexe spirituelle Tradition mit einer mehr als 5000 Jahre alten Geschichte und einer reichen und ausführlichen überlieferten Literatur. Yoga ist, was wir traditionellerweise die “Weisheit der Befreiung” nennen. Wir alle streben, bewußt oder unbewußt danach, uns über die begrenzte Vorstellung unserer selbst zu erheben. Oder besser gesagt, wir versuchen, uns zu erheben über das, was wir zu sein denken. Üblicherweise identifizieren wir uns mit unserem Körper, unserem Verstand, mit unseren Besitztümern oder Beziehungen. All das bezeichnen wir als unser Leben. Diese mentalen Gewohnheiten stellen jedoch nur Schatten unserer inneren Wahrheit dar und begraben uns mehr denn je in Unwissenheit.

Der Begriff YOGA hat indoeuropäische Wurzeln und bedeutet etwa Joch, versammeln, verschmelzen oder zusammenbringen.

Im Sanskrit ist die hauptsächliche Bedeutung des Wortes einspannen oder zügeln, was mit einigen Vorstellungen der menschlichen Psyche übereinstimmt, die von wilden Pferden gezogen wird (die Sinne und Leidenschaften), welche danach streben, den Reiter zu beherrschen (den Intellekt, BUDDHI), während die Zügel den Verstand repräsentieren (MANAS).

Das ist zumindest das Bild in den ältesten Texten der östlichen Tradition, den Upanishaden. Es steht geschrieben, dass die hilflose Seele unvermeidlich verfallen wird, außer man praktiziert YOGA als eine Methode, die Pferde zu zähmen und sie sogar auszuspannen, was bedeutet, ein freier Geist zu werden.

Die älteste systematische Beschreibung des Yogasystems finden wir in den YOGA-SUTRAs von Patanjali (zweites Jahrhundert vor Christus). Durch seinen enormen Informationsgehalt ist der Text ein wahrer Ratgeber, der allerdings immer dafür gedacht war, mit geheimen mündlichen Unterweisungen einherzugehen. Das ist der Grund dafür, dass der Text für den, der niemals YOGA praktiziert hat, ein ungelüftetes Geheimnis bleibt. Wie auch immer, die YOGA-SUTRAs sind der genaueste und wissenschaftlichste Text, der je über YOGA geschrieben wurde. Er beschreibt die acht Stufen des YOGA:

  1. YAMA und NIYAMA – innere und äußere Haltungen, welche darauf abzielen, unsere Interaktionen mit der äußeren Welt und mit uns selbst zu harmonisieren.
  2. ASANA – bewegungslose Körperstellungen zur Ausbalancierung der subtilen Energien.
  3. PRANAYAMA – Ansammlung kosmischer Energie (Prana) durch rhythmisches Atmen. 
  4. PRATYAHARA – die Zurückziehung der Energie der Sinne von ihren Objekten mit der Absicht, diese dann auf das innere Universum zu richten.
  5. DHARANA – Fokussierung des Geistes auf ein einzelnes Objekt.
  6. DHYANA – der ununterbrochene Fluss mentaler Prozesse in nur einer Richtung um ein Objekt.
  7. SAMADHI – telepathische Identifikation mit dem Objekt der Meditation und dem Wesen des Übenden. SAMADHI ist der höchste Zustand erweiterten Bewusstseins und eine komplette Teilhabe des menschlichen Wesens am kosmischen Leben. SAMADHI ist das letztendliche Ziel im YOGA, und führt letztendlich zum Zustand der spirituellen Erleuchtung und zu vollkommener Weisheit.
  8. MUKTI oder spirituelle Freiheit heißt nicht Erlösung von der manifestierten Welt, sondern bedeutet eine enge und dauerhafte Identifizierung mit dem erhabenen Bewusstsein, welches die wahre Natur unseres Selbst ist. Spirituelle Freiheit ist somit nur möglich durch die Erkenntnis der Gleichheit unserer eigenen wahren Natur mit dem Universum.

Dieser ultimative spirituelle Zustand kann NICHT nach dem Tod oder in einer anderen Dimension der Realität erreicht werden, sondern HIER und JETZT – “Nur Befreiung in diesem Leben (JIVANMUKTI) ist wirkliche Befreiung” SPANDA PRADIPIKA.

Obwohl Yoga im Westen in seinen zahlreichen Variationen oftmals nur als eine Art Technik zum Fitbleiben bekannt ist, ist es in Wirklichkeit eine radikale spirituelle Disziplin, eine ursprüngliche Wissenschaft vom menschlichen Wesen, ein komplettes System zur Beherrschung aller Lebensaspekte.